Gymnicher Ritt 2011 - mit den Augen einer Neubürgerin

Dass der Gymnicher Ritt seit Jahrhunderten ein besondere Faszination ausübt ist bekannt, aber dass Neubürger, so wie Dr. Barbara Hammerer, den Pilgerritt mit der Kamera einfangen, ist zumindest etwas Besonderes.

In Zusammenarbeit mit Werner J. Martens ist diese kleine Bilderserie vom diesjährigen Gymnicher Ritt entstanden und die Motive sind ausschließlich der St. Kunibertus Schützengesellschaft gewidmet.

 

Die heilige Kreuzpartikel (ein Holzspan des Kreuzes Jesu) soll von Johann von Gimnich im Jahre 1456 aus dem Heiligen Land nach Gymnich gebracht worden sein. Dieses Partikel wurde im Jahre 1839 von der Kirche St. Kunibert in Köln nach Gymnich übertragen. Der Präsidenten der St. Kunibertus Schützengesellschaft mit den Majestäten überreicht jährlich das Partikel.

 

 

Die Standarte der St. Kunibertus Schützengesellschaft wird geritten von Peter Fischer, Christoph Schmitz und Detlef Barani, als Vierter Reiter König Alexander Schorn

 

 

Offiziere der St. Kunibertus Schützen: Hubert Franken und Theo Fischer

 

 

Bernd Mager mit Schwiegersohn Dr. Ralf Untiedt

 

 

Hauptmann Jürgen Schorn

 

 

Hauptmann Jürgen Schorn und seine Adjutanten Georg Kranz sowie Thomas Müller an der Spitze der Kreuzpartikelgruppe der Reiterprozession mit dem Weihbischof Melzer, der das Kreuzpartikel trägt.

 

 

Die berittene Spitze der Reiterprozession des Pilgerzuges, der über eine Strecke von ca. 13 km durch die Gemarkung von Gymnich führt

 

 

Die Jugend der St. Kunibertus Schützengesellschaft, die in einer recht großen Zahl an dem Gymnicher Ritt beteiligt war, zeigt, dass das Interesse für alte Traditionen doch noch da ist.

 

 

P.-J. Kranz mit dem Rittkreuz, einem aus dem Jahre 1890 stammendes Familienkreuz, das jährlich von der Familie Kranz an der Spitze der Fußprozession bereits in der 4.Generation mitgeführt wird.
Markus Kranz, P.-J. Kranz und Peter Schmitz

 

 

Vater Peter-Josef Kranz und die nächste Generation der Familie Kranz: Markus Kranz

 

 

Die stillen Zuschauer: Die diesjährige Königin der St. Kunibertus Schützengesellschaft, Tanja Schorn mit Sohn und Kleinschülerprinz Marc Schorn

 

 

Rückkehr der Reiterprozession in der Kerpener Straße. An dem Tage des Gymnicher Rittes (Himmelfahrt) verdoppelt sich die Einwohnerzahl von Gymnich, die Hauptstraße ist feierlich mit Fahnen geschmückt und die Gymnicher empfangen ihren Familienbesuch.

 

 

Kirche St. Kunibert und Schützenfahnen

 

Ein prachtvoller Abschlussgottesdienst zum Ende der diesjährigen Prozession wurde auf dem Rittplatz gefeiert. Der Rittaltar wurde nach einer Idee des früheren Pfarrers In Gymnich, Pfarrer Weißenfeld, im Jahre 1953 auf einem Grundstück des Schlosses als Altarbereich aufgebaut. Im Jahre 1982 wurde der gesamte Bereich unter Pfarrer Jan Keyers umgestaltet

 

 

Die Pfarrkirche St. Kunibert in Gymnich ist nach den geschichtlichen Überprüfungen wohl die 3. Kirche in Gymnich. Die früheren Kirchen können nicht mehr nachgewiesen werden. Der Grundstein für die heutige Kirche wurde im Jahr 1759 gelegt, so dass im Jahre 2009 die 250-jährige Grundsteinlegung gefeiert werden konnte. Der Kirchturm ist das markanteste Wahrzeichen des früheren selbständigen Dorfes Gymnich gewesen. Diese wuchtig, geschwungene Turmhaube ist von weitem her sichtbar und wird im Volksmund auch als „Zwiebelturm“ bezeichnet. Dieser Zwiebelturm von Gymnich ist das heimliche Wahrzeichen der gesamten Region. Die Haubenspitze des Turmes hat mit seinem goldenen Hahn eine Höhe von 45 m.

Textzusammenstellung: Werner J. Martens
Bilder: Dr. Barbara Hammerer u. Werner J. Martens

Reiter- und Pilgertradition in Gymnich

784. Gymnicher Ritt

Zum Gymnicher Ritt, der sehr traditionsbehaftet ist, hat die Gymnicher Bevölkerung über die Jahrhunderte hinweg eine starke Verbundenheit entwickelt. War es früher die starke Abhängigkeit vom Schloss und dessen Traditionen, so wurden die Gepflogenheiten der geistlichen Rituale und der weltlichen Feiern später mit einem hohen Grad an Selbstverständnis in die Gymnicher Bevölkerung eingebunden. Himmelfahrt, der Gymnicher Ritt und Besucher im Dorf sind auch in der heutigen Zeit untrennbar miteinander verbunden. Es war immer guter Brauch, dass die Gymnicher an Himmelfahrt Familienbesuch eingeladen haben. So war es in den vergangenen Jahren nicht unmöglich, dass sich die Einwohnerzahl des Dorfes an diesem Tage fast verdoppelte.
Der strahlende Sonnenschein in diesem Jahr tat ein Übriges dazu, Gymnich war schlichtweg von den Besuchern „belagert“.

Neben dieser Familientradition ist es besonders erfreulich, dass die Teilnahme von Kindern und Jugendlichen der Schützengesellschaften zugenommen hat. An der Reiterprozession reihten sich in diesem Jahr 228 Pferde und 6 Kutschen ein und an der Fußprozession bildeten fast 400 Pilgern einen langen Pilgerzug. Wie ein endloser Lindwurm bewegte sich der lange Pilgerzug wieder über die ca. 10 Kilometer lange Strecke um die Gemarkung von Gymnich herum.
Die heilige Kreuzpartikel soll von Johann von Gimnich im Jahre 1456 aus dem heiligen Land nach Gymnich gebracht worden sein und der Sage und Überlieferung nach, soll in dem Partikel einen Holzspan des Kreuzes Jesus sein. Von dem Präsidenten der St. Kunibertus Schützengesellschaft wird das Partikel der Prozession übergeben und segnend mitgeführt.

Präsident Jakob Schmitz mit dem Kreuzpartikel und den Kunibertus Majestäten

Das behutsame Heranführen der jungen Leute an diese sehr alte Tradition kann also in der heutigen Zeit doch gelingen. Auch wenn die Aussagen aus der Überlieferung und Sagen zu dem Gelöbnis des Arnold von Gymnich in der modernen Zeit langsam verblassen, so ist die Einbindung des Gymnicher Nachwuchses in die Pflege des Gymnicher Rittes und damit auch in langjährigen Familientraditionen, deutlich erkennbar. Vater P.-J. Kranz mit Sohn Markus Kranz und Peter Schmitz reiten seit Jahren an der Spitz der Fußgängerprozession, die in diesem ca. 400 Pilger mitmachten.

Drei Pferde führen die Fußgängerprozession an

Weniger eine Dankprozession hat sich über die Jahrhunderte entwickelt, als vielmehr eine Bitte für eine künftige gute Ernte, der persönlichen Gesundheit und für ein friedliches Miteinander auf dieser Welt. Dafür setzt sich unsere Jugend auch auf einem Pferderücken ein oder machte sich auch auf Schusters Rappen auf den Pilgerweg.

Der 784. Gymnicher Ritt war auch in diesem Jahr wieder ein großes Familien- und Volksfest in den Straßen und Häusern von Gymnich. Maßgeblich beteiligt an einem bunten und unvergesslichen Bild waren wieder die beiden großen Schützengesellschaften des Ortes, die St. Kunibertus Schützengesellschaft und die St. Sebastianus Bruderschaft. Ein prachtvoller Abschlussgottesdienst zum Ende der diesjährigen Reiterprozession wurde auf dem Rittplatz gefeiert.

Gottesdienst am Rittplatz

Text u. Bilder: Werner J. Martens

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