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Abteilungen: Unsere Wandergruppe

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Wanderführer und Vizepräsident Herbert Schmitz mit Gattin Trude hatten sich wie in jedem Jahr mal wieder mit Verve etwas Besonderes ausgedacht. Geplant, gebucht, organisiert, umorganisiert, hin un her övverlääch.
Schon auf der Anreise mit dem komfortablen Bus gab es ein erstes Highlight: Das Benediktinerkloster in Blaubeuren, seine Kirche mit Hochaltar und Chorgestühl von 1493 und dem mit gut erhaltenen Fresken geschmückten Kreuzgang. Nach einem kurzen Trip zu Fuß erreichten die 40 Wanderer den Blautopf, Deutschlands wohl schönste und ergiebigste Karstquelle mit der märchenhaft gelegenen Wassermühle.
Weiter gings nach zwei Stunden Richtung Lechtal in Österreich. Eingebettet zwischen Lechtaler- und Allgäuer Alpen ist das Lechtal eine der letzten intakten Wildflusslandschaften in Mitteleuropa. Ankunft am Abend im 814-Seelendorf Elbigenalp, 1039 Meter Meereshöhe, Quartier im legendären Hotel Gasthof Post, bis 1899 Sommerresidenz der Königin Maria von Bayern und Mutter von Kaiserin Sissi.
Am ersten Wandertag startete die Gruppe in Holzgau, stieg durch das Höhenbachtal zum Simonswasserfall auf und gelangte nach etlichen Steilstrecken zur Rossgumpenalm. Auf dem Rückweg hatten so manche Frau und Mann ein flaues Gefühl im Magen: "Kann ich denn über diese Brücke gehen?" Mit einer Spannweite von 200 Metern verbindet Österreichs längste und höchste Hängebrücke zwei Bergrücken 110 Meter hoch über dem Höhenbachtal, das wir zuvor durchstiegen und die Spannbrücke von unten betrachtet hatten. Aber tapfer bewältigten alle die Herausforderung.

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Hängebrücke

Die Hahnenkamm-Seibahn in Höfen bei Reutte erleichterte uns am zweiten Wandertag die Mühe eines langen Aufstiegs und dafür Zeit zum Besuch des Alpenblumengartens, in dem etwa 600 verschiedene Arten der Bergflora zu bestaunen sind. Danach gings per pedes über den Alpenrosenweg - auf dem auch schon Bruno der Bär entlang gelaufen sein soll - zur Lechaschauer- und Gehrenalpe. Der steile, mit Wurzeln und Geröll übersäte Rückweg war eine harte Prüfung für alpines Wandern, für uns Flachländer schon grenzwertig.
Ziel des dritten Wandertages war der Promi-Skiort Lech am Arlberg. Doch zunächst gab es eine abwechslungsreiche Tour über ein Hochplateau in der Wanderregion Tannberg. Vorbei am Körbersee auf 1675 Metern führte der Weg etwas alpin durch saftige Almwiesen zur unteren Auenfeldalpe. Die Rast bei Bergspeck, Bergkäse, Milch und Buttermilch stärkte die Wandersleut für den Aufstieg zum Auenfeldsattel und den Weg nach Lech über Gaisbühel und Tannegg.
Mittwochs haben die Wanderschuhe traditionell einen freien Tag! Also nach dem Frühstück hinein in den Bus und über sehenswerte Alpenstraßen ab nach Bregenz. Die 2000 Jahre alte Festspielstadt mit ihrer gigantischen Seebühne ist Österreichs Kultur- und Ausflugsort am Bodensee. Historische Oberstadt, Seepromenade, Vorarlberger Landestheater, Kunstausstellungen und und und.. und natürlich eine Schiffsrundfahrt auf dem Bodensee. Die hatte uns der Wettergott leider etwas vernebelt, was die Stimmung der Wandergruppe aber nicht im geringsten trübte.
Tag 5 - endlich wieder wandern. Heute auf die Griesbachalpe! Von Elbigenalp durch die Lechauen zur St. Sebastianus Pestkapelle. Aufstieg durch das Griesbachtal bis zur unteren Griesbachalpe, einer urigen Hütte deftiger Tiroler Küche und leckerem Bier. Einlass erhält nur, wer am Tor die Glocke läutet, worauf der Wirt erscheint und jedem Gast ein Schnapserl spendiert. Auf der Rücktour soll der eine oder andere gewackelt haben? Ach was. Wer dennoch den beschwerlichen Rückweg scheute, konnte sich den mit dem "Bergtaxi", einer Mischung aus Hanomag und Bus, ersparen.

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Griesbachalpe

Sechster und letzter Wandertag. Wie immer der Höhepunkt. Diesmal auch beim Wetter. Strahlender kann die Sonne nicht. Zwei Wanderungen stehen zur Auswahl: Eine hochkarätige naturkundliche Führung entlang am wilden Lech (Originalton Herbert Schmitz: "Wie in Kanada!") Und tatsächlich bietet diese ungezähmte Wildflusslandschaft eine Flora und Fauna, die in Europa einzigartig ist; ein breites, verzweigtes Flussbett mit mächtigen Schotterbänken und intakten Auen, herrlich. Diejenigen, die sich für diese Wanderung entschieden hatten, waren restlos begeistert.

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Lechauen

Die anderen Wanderfreunde aber nicht minder; lockte doch das Wetter zum Aufstieg auf die Jöchelspitz und weiter über hochalpine, teils schwierig zu begehende aber traumhafte Pfade. Die Rast in der Bernhardseckhütte hatten sich die wackeren 8 wahrlich verdient. Sie hatten ja noch einen Abstieg zu bewältigen, der heftig die Beinmuskeln strapazierte. Zurück im Quartier - kaputt aber glücklich.
Wenn Rheinländer reisen, müssen sie auch feiern. Getreu diesem Motto gabs den Abschiedsabend in Dur aber ohne Moll mit dem Akkordeonvirtuosen Stefan, ein Original aus der Region. Stimmung hoch drei, als die kreativen Wanderfrauen vom sexy Mädchentisch ihren Auftritt hatten. Die Beine schmerzten nur noch vom Tanz.
Heimfahrt am Samstag mit Zwischenstopp in Ulm. Orgelkonzert im Ulmer Münster und Führung durch das Fischer- und Gerberviertel - zwei Highlights zum Schluss.

Text: Alfons Selt
Fotos: privat